RheinMain als Kulturregion 2025?

Ein Plädoyer für die Initiative …

Seit 1985 existiert der Titel der Kulturhauptstadt (bis 1999 Kulturstadt) in Europa, deren Titel seit 2004 an mindestens 2 Orte verliehen wird. Für die Jahre 2020 bis 2033 wurde in einem Beschluss festgelegt, welche Länder für die Ausrichtung in Frage kommen. Im Jahre 2025 ist eine deutsche Stadt oder Region zusammen mit einem Ort in Slowenien festgelegt worden. Die Vorlaufzeit  beträgt 6 Jahre, die Entscheidung für die Bewerbung läuft. Ab jetzt.

Frankfurt und Skyline

Inspiriert von einem Artikel der Verlagsgruppe Rhein-Main (18.Nov.2017) habe ich mich spontan entschlossen zu einem Plädoyer: für Rhein Main als großartige Region mitten in Europa und Deutschland. Vielseitig, multikulturell, offen, reich an Geschichte und … auch reich an Mitteln. Das kleine Logo ist in 2 Minuten entstanden und ist natürlich nur eine Arbeitsunterlage und der Hashtag bei Twitter war in 1 Minute eingerichtet (#RheinMain2025 oder #RheinMain25).

Kultur in Rhein-Main wurde seit 2000 Jahren geprägt

Ich habe Hunderte von Sehenswürdigkeiten recherchiert, um genau zu sein, über 3.000 Ausflugsziele für Rhein-Main und ca. 150km Umkreis. Und war häufig völlig überrascht, welche Kulturschätze, aber auch Naturreichtum die ganze Region bietet. Man muss mal den Weg über den Rhein und den Main vollziehen, die schon seit Jahrtausenden als natürliche Barriere bestehen. Die Römer siedelten eher linksrheinisch, die Barbaren eher rechtsrheinisch … manche meinen, es wäre heute umgekehrt. Zeit zum Ändern.

Hier stehen die Ursprünge der Demokratie in Deutschland, die erste Republik auf deutschem Boden. Von 1791 bis 1793 war das erste auf demokratischen Grundsätzen beruhende Staatswesen von den Jakobinern im linksrheinischen und damals von Frankreich besetzten Mainz errichtet worden. Im Nachhinein muss man allerdings auch festhalten, das diese Mainzer Republik vielleicht doch nicht ganz so demokratisch war, wie es in den Grundsätzen vorgesehen war. Aber es war vielleicht ein Tür- oder Dosenöffner. Das gar nicht so entfernte Hambacher Fest fand 1832 statt, welches als die tatsächliche Wiege der deutschen Demokratie gilt. Schon wenige Jahre später fand die erste frei gewählte Volksversammlung 1848 bis 1849 in der Frankfurter Paulskirche statt, die neben Hambach als Symbole für Freiheit und Einigkeit und Demokratie in Deutschland gelten.

Viel früher, Mitte des 15. Jahrhunderts wurde aus Rhein-Main die Welt durch den „Man of Millennium“, wie amerikanische Journalisten fanden, nachhaltig verändert: Johannes Gutenberg hatte - inspiriert durch eine einfache rheinhessische Weinpresse - ein Druckverfahren entwickelt, welches die westliche Welt revolutionierte und Wissen auf einfache Weise vervielfältigen lies. Und das geschah rasant. Gerade in 2017 begehen wir den 500. Jahrestag von Luther´s Thesenanschlag. Ohne Gutenbergs Erfindung wäre auch dies kaum möglich gewesen.

Dom zu Mainz

Die Römer haben vor 2000 Jahren in der Region ihre Spuren hinterlassen. Am Rande des Rhein-Main-Gebietes verläuft Deutschlands längstes Bodendenkmal, der 550 km lange obergermanisch-rätische Limes, der seit 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Das römische „Mogontiacum“ (Mainz) war Hauptstadt von Obergermanien mit bis zu 3 stationierten Legionen mit einem gewaltigen Einzugsgebiet. Das sog. „goldene Mainz“ und sein mächtiges Erzbistum beherrschte die gesamte Region und hatte Auswirkungen bis nach Prag.

Die Kultur der gesamten Region ist vielfältig geprägt. Römer, Schweden, Franzosen bis hin zu vielen Millionen Touristen in den letzten Jahrzehnten.

Rhein-Main heute im Zentrum von Europa

Frankfurt begeistert mit seinen weltbekannten Kunst-Museen wie Schirn und Städel, seinem grandiosen Museumsufer am Main mit prachtvollem Blick auf die Skyline mit zahlreichen herausragenden Häusern bis hin zur Senckenberg-Gesellschaft, die dieses Jahr ihr 200 jähriges Bestehen feiert. Frankfurt hat viele Gesichter. Wegen der architektonisch reizvollen Skyline wird Frankfurt auch gerne als Mainhattan bezeichnet. Eines der Hochhäuser, den MainTower kann man sogar besuchen und in ca. 200 Metern Höhe einen grandiosen Ausblick auf Main und die gesamte Umgebung geniessen. Aber neben den Hochhäusern bietet die Metropole am Main auch viel Geschichte, insbesondere rund um den Römer, eines der ältesten und schönsten Rathäuser in Deutschland, welches seit Jahrhunderten genutzt. Nicht weit davon wartet die Paulskirche und der St. Bartholomäus-Dom, der ebenfalls über eine Plattform hoch oben verfügt. Das ganz andere Frankfurt abseits von Banken und Finanzen erlebt man in Altsachsenhausen mit seinen urgemütlichen Kneipen.

Mainz punktet mit seiner 2000 jährigen Geschichte und dem 1000 jährigen Dom mit seiner imposanten Kirchengeschichte des Erzbistums. Gutenberg erlebt man hautnah im Gutenbergmuseum mit der Original-Bibel und der Druckerpresse. Und bald wird auch das neue Archäologiemuseum eröffnen, welches heute schon in Form des Römisch-Germanischen Zentralmuseums durch seine Forschungsarbeiten Weltrang hat. Und natürlich darf man in Mainz ein besonderes kulturelles Brauchtum nicht vergessen: die Fastnacht.

Nerobergbahn Wiesbaden

Wiesbaden hat Geschichte geschrieben durch seine heißen Quellen, die schon die Römer erfreuten und daher auch seinen Namen zu verdanken. Die Spielbank ist noch heute edel und bekannt und war sicher auch Inspiration für den Roman von Dostojewski „Der Spieler“. Das Museum Wiesbaden mit seiner exzellenten Expressionisten-Ausstellung hat Weltrang.

Darmstadt gilt als das Jugendstil-Zentrum in Deutschland und zählt mit den zahlreichen wissenschaftlichen Einrichtungen als Wissenschaftsstadt. Und schließlich Offenbach war die Lederhauptstadt Deutschlands und beeindruckt noch heute mit zahlreichen Ausstellungen im Deutschen Ledermuseum.

Und nicht nur die Städte haben viel kulturellen Reichtum zu bieten, auch die angrenzenden Regionen wie Rheingau oder Rheinhessen punkten mit ihren Klöstern und Burgen, UNESCO-Welterbe in der Umgebung und nicht zuletzt dem Wein und der Lebensfreude.

Gut, ich komme aus dem Schwärmen für unsere schöne Region mit seinem Kulturangebot, aber auch mit ihrem Naturangebot nicht mehr heraus und höre jetzt auf mit Aufzählungen. Meine in- und ausländischen Gäste waren auf jeden Fall immer wieder sehr positiv überrascht.

Vielseitigkeit kann der Impuls sein

Braucht es noch mehr Argumente für eine Bewerbung? Frankfurt mit seinen fast 800.000 Einwohnern ist die Metropole. Unbestritten. Aber im Europäischen Vergleich eher ein Metropölchen. Wiesbaden und Mainz haben ebenfalls als gemeinsame Region mehr als 600.000 Einwohner und wenn man Rhein-Main gesamthaft sieht, dann leben hier über 5 Millionen Einwohner zusammen. Sprechen alle den ähnlichen Dialekt, mögen regionale Genüsse, kennen alle den Handkäs, lieben die Feste und … streiten sich auch oft. Wie es sich gehört. Herrlich einfach.

Aber … ich höre schon die Stimmen. Was sollen wir denn noch alles tun. Wir haben doch jetzt den Kulturkalender aufgelegt, planen das Projekt XY und außerdem, das betrifft ja 2-3 Bundesländer. Mit denen da drüben reden wir doch kaum.

Mathildenhöhe Darmstadt

Ob die Frankfurter mit Offenbach reden, oder Mainzer mit Wiesbaden … und alle zusammen mit Darmstadt? Ich finde, das macht gerade den Reichtum unserer Region aus. Vielseitig, verschieden. Hier die Ebbelwoi Region, dort die sehr befreundeten Rheinweingebiete Rheinhessen und Rheingau, die sich beide als „Ebsch Seit“ (falsche Seite des Rheins) bezeichnen, übrigens einmalig in Deutschland. Es wäre eine Riesenchance, die Region auch kulturell in Europa herauszustellen und nicht nur Business- und Tagestouristen anzuziehen.

Habt Mut, Ihr Politiker/Innen … es wäre Klasse!

Werden unsere Politiker Mut und Visionen haben, über Landesgrenzen hinweg die ganze Region zu stärken? Und einmal die Interessen der eigenen Städte zurückzustellen? Olympia wäre zu viel. Aber als Kulturregion? Ich würde es mir wünschen. Unsere Region ist reich an Schätzen … und interessant genug, neue Erfahrungen durch ein neues, gemeinsames Projekt zu sammeln. Neue Verkehrskonzepte, neue Formen der Zusammenarbeit bei der Infrastruktur, neue Lebensformen im interkulturellen Umfeld. Richtungsweisend. Für Europa.

Man müsste sich nur einen Ruck geben. Vielleicht werden sich die Politiker beider Seiten aufraffen können. Aber, es sind ja nur noch so wenige Jahre Zeit. Also, in der Privatwirtschaft würde man sagen, es sind ja noch so viele Jahre Zeit. Auf geht´s …

Kurz zu FREZETTI: Ein Portal, seit 2016 im Raum Rhein-Main und Umkreis mit ca. 3.000 gelisteten Sehenswürdigkeiten, Ausflugszielen und Freizeit-Tipps (daher der Name) online und offline unterwegs. Privat aufgebaut. Als StartUp eines „Älteren“, mir, der sich damit einen alten Wunsch erfüllt hat. Schnell und intuitiv tolle Ziele ohne störende Werbung möglichst schnell auch anhand einer Vielzahl an Suchkriterien zu finden.

RheinMain25

Das war mein Plädoyer für die ganze Region. Es ist meine Heimat. Ich liebe es. Rhein-Main 2025 … ich wäre dabei. Mit viel Herzblut, kostenlos & ehrenamtlich, aber hoffentlich nicht umsonst für eine erfolgreiche Bewerbung bis 2019. Wer macht mit?

Euer

Joerg Schwebel, FREZETTI

 

 

Text: FREZETTI, Nov 2017
Bilder:
Frankfurt und Mainz: Joerg Burmeister
Alle anderen: FREZETTI