Kühkopf mit Rad und Boot

Die Altrheininsel Kühkopf bei Riedstadt oder Stockstadt in Hessen ist ein einzigartiges Vogelschutzgebiet mit vielen Beobachtungsmöglichkeiten.

Altrheininsel Kühkopf Naturschutzgebiet

Der Kühkopf ist eine ursprünglich vom Oberrhein und später im Zuge der Rheinbegradigung 1828/1829 gebildete Flussinsel. Zusammen mit der nördlich gelegenen Knoblochsaue bildet das insgesamt 2.440 Hektar grosse Areal heute ein besonderes Naturschutzgebiet.

Einzigartiges Vogelschutzgebiet

Die Insel ist nahezu unbebaut. Lediglich ein Kiosk und ein Wald-Restaurant an den Eingängen ist vorhanden. Auf der Insel selbst ist ein Naturkunde-Museum, welche die Vielfalt der Insel anschaulich darstellt. Kraftfahrzeuge jeglicher Art sind untersagt. Zugänge befinden sich in Stockstadt und in Riedstadt über kleine Altrheinbrücken. Vom linken Rheinufer bei Gimbsheim in Rheinhessen verkehrt eine kleine Rheinfähre für Fußgänger und Radfahrer in den Sommermonaten.

Kühkopf Wiesen

Die Insel ist ideal geeignet für Fahrradtouren oder zum Spazieren und Wandern. Auch Kanufahren auf dem ruhigen, fast stehenden Altrhein bietet sich an. Der auch gleich zu einem kleinen Tipp im Sommer verleitet: Mückenmittel nicht vergessen.

Rehe, Störche und … Mücken

Für mich ist es immer wieder ein Highlight und eine Ruhe-Oase, wochentags nahezu völlig alleine auf der Insel Rad zu fahren oder spazieren zu gehen. Picknickkorb dabei und einfach den Tieren und Vögeln zu zuschauen. Ein besonderes Erlebnis hatte ich in einem Spätsommer nach einem heftigen Regenguss. Die Abendsonne schien durch die dampfend aufsteigenden Wolken, Rehe querten den Wanderweg und auf einem Feld, ganz dicht neben mir durchpflügten über 30 Störche die abgemähten Wiesen. Ein unvergessliches Erlebnis mitten in Rhein-Main.

Kühkopf Vogelschutzgebiet Vogelbeobachtung

Im Sommer 2018 war ich wieder einmal auf dem Kühkopf. Dieses Mal wieder mit Mountain-Bike, vielem guten Essen im Picknickkorb, natürlich mit einem guten Feldstecher ausgestattet und mit meinem ganz neu gekauften und federleichtem Boot. Aber dazu später. Zunächst ging es dieses Mal von Riedstadt aus auf dem breiteren Weg zum Rhein. Der schöne Biergarten am Anfang des Weges hatte geschlossen und wurde aus Denkmalschutzgründen saniert. Es geht vorbei an Obsthainen und natürlich kann ich es mir nicht nehmen lassen, in einen der frischen Äpfel auf dem Boden einfach herzhaft reinzubeißen. Werden die nicht geerntet, geht es mir noch durch den Kopf. Scheinbar nicht. Obwohl der Geschmack so toll ist. Vielleicht liegt es aber auch an der guten Luft in der Natur, so ganz alleine hier.

Fernglas nicht vergessen

Immer wieder zweigen kleine Wege in den Dschungel ab. Fast kommt es einem so vor. Denn die Natur auf dem Kühkopf wechselt permanent. Irgendwann nach wenigen Kilometern ist man am sogenannten Neu-Rhein, dem tatsächlichen heutigen Rhein angekommen. Der Blick, soviel sei schon verraten, ist nicht so berauschend. Die Ufer sind flach und die Umgebung ist jetzt nicht der Augenschmaus wie im oberen Mittelrheintal. Aber egal. Es gibt eine kleine Pause und einen kurzen Plausch mit doch so einigen anderen Inselbesuchern, die heute den Weg hierher gefunden haben.  

Rad und Wanderwege auf dem Kühkopf

Ich habe Lust auf Mountain-Bike und deshalb wähle ich den kleinen Weg abseits der größeren Piste. Es geht auf einem kleinen Pfad zurück am Altrheinarm. Man kann den Fluss oft gar nicht erkennen wegen des dichten Bewuchses. Aber es gibt unterwegs Vogelbeobachtungs-Stände mit Erläuterungen und Blick auf die Wasserfläche. Über 200 Vogelarten brüten hier, so lese ich auf einem Schild. Weiter geht es auf einem ganz kleinen Pfad. Heute sind kaum Besucher hier und deshalb fahre ich mit dem Rad einfach hinein. Vor mir läuft ein Fuchs ganz gemächlich über den Weg. Sonst sehe ich leider kaum Tiere heute. Irgendwo habe ich mich auf eine alte morsche Bank gesetzt und meine gigantischen Stullen gegessen. Vorher einfach beim Bäcker frisches Brot gekauft und ordentlich mit Käse, Tomaten und und und belegt. Und lausche einfach in der Stille den vielen Geräuschen.

Normalerweise habe ich bei solchen Ausflügen meinen Kocher dabei. Entweder meinen Mini-Kocher mit Esbitsteinen oder diesen genialen Trangia-Kocher aus Schweden. Den besitze ich seit 30 Jahren und er kocht seitdem unverändert. Eines dieser Produkte, die leicht sind, unverwüstlich und überall auf der Welt mit ein bisschen Spiritus benutzt werden können. Aber der Sommer 2018 war extrem trocken und deshalb gab es eben nicht die üblichen warmen Gerichte.

Den Altrhein mit Boot erkunden

Auf meiner Radtour hatte ich heute keine Vögel gesehen, nur gehört. Aber, ich hatte so Lust darauf und habe mich erinnert, dass ich ja ein Ultraleicht-Boot dabei hatte. Das wiegt sage und schreibe 2 Kilo inklusive Paddel, ist so groß wie ein DINA 4-Blatt und man kann es aufgrund des Gewichtes und der Packmasse auf Rad- oder Wandertouren einfach mitnehmen. Heute wollte ich es ausprobieren.

Kühkopf und Altrhein mit dem Boot

Also bin ich etwas weiter nördlich gefahren und habe einen schönen Weg direkt zum Altrhein gefunden. Direkt vor einem wohl uralten Schiff, welches hier lag, habe ich mein Bootchen ausgepackt und in 5 Minuten nur mit Windtechnik mit einem Plastik-Sack aufgepumpt. Geniale Technik. Das Einsteigen war dann nicht ganz so einfach, weil dieses Boot keinen festen Boden hat. Aber, erst einmal dringesessen, konnte ich ganz bequem alles vom Fluss aus beobachten und bin auch mit ganz leichten Paddelschlägen ganz nahe an eine sehr große Vogelkolonie gekommen. Die Vögel waren ruhig und ich möchte auch keine Tiere aufscheuchen. Was ist das denn da, was sich ganz langsam an uns vorbei bewegt, werden sie vielleicht gedacht haben. Wenn Vögel denn denken können. Es war ein traumhafter Tag, den ich so schnell nicht vergessen werde. Das Aussteigen aus dem Boot war dann noch etwas schwieriger wegen des Bodens und nasse Füße sind fast vorprogrammiert. Ich werde noch etwas üben. Aber … schön war´s und das Boot möchte ich nicht mehr missen, wenn ich solche Touren mache.

Das waren für heute meine Eindrücke vom Kühkopf, ein einzigartiges und wunderschönes Naturschutzgebiet in unserer Region rund um Rhein-Main. Ich komme wieder. Ganz bestimmt.

Euer Joerg Schwebel (FREZETTI)

 

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Text / Bild(er), falls nicht anders erwähnt: FREZETTI