FREZETTI - in eigener Sache

FREZETTI steht für Freizeit-Tipps und Ausflugsziele in und rund um Rhein-Main mit ca. 100Km Umkreis für Tagesausflüge und über 30 Kriterien für die individuelle Suche nach Sehenswürdigkeiten (Drinnen/Draußen/Kinder/Kultur/Natur etc.). Die Seite ist ausschließlich privat finanziert und wird seit 2016 betrieben. Über 100.000 Leser/Innen aller Altersstufen vorwiegend aus der Region nutzen die Webseite.

In 2020 wird die Webseite als Gewerbe aufgelöst. Es ist mir nicht gelungen, Spenden zu generieren. Das war das Hauptanliegen. Die Webseite-Seite bleibt bestehen. Kommerzielle Werbung ist abgeschaltet. Nur Betriebe, die arg in Bedrängnis geraten (z.B. durch die Corona-Krise) oder Werbende, die nachweislich für humanitäre Zwecke spenden (z.B. eine Kinderkrebsstation) dürfen hier noch werben. Die Listung der Ausflugsziele, auch der kommerziellen, bleibt bestehen.

Für mich als Betreiber geht damit viel mehr kaputt, als es auf den ersten Blick erscheint. Dazu werde ich Euch einiges berichten, was ich so alles erlebt habe. Sich mit über 50 selbstständig zu machen, ist eine gewisse Herausforderung. Trotzdem würde ich es immer wieder machen.  Und … unsere Region ist wunderschön und hat viel mehr zu bieten, als sich manche vorstellen können. Man muss halt auch mal den Sprung über Landesgrenzen oder über Rhein und Main schaffen.

Radtour Rhein Main

Für mich war es damals ein Herzenswunsch, nach meinem Ausstieg aus der Industrie, ein Portal für Ausflugsziele in der Region aufzubauen. Das hatte ich mir schon vor 30 Jahren vorgenommen, als ich Kinder zu Besuch hatte. Alles war vorbereitet und dann regnete es in Strömen. Wohin nur? Google gab es noch nicht. So war die Idee entstanden. Und als ich einmal mehrere Jahre in Spanien lebte, hatte ich mich über ein besonderes Buch gefreut, welches die schönsten Ausflugsziele der Region zeigte. Ich habe damals alle besucht. So hat sich die Idee verfestigt und heute ist sie realisiert.

Im vergangenen Jahr (2019) habe ich mich über weit über 100.000 Webzugriffe auf www.frezetti.de gefreut und über die gute Lesedauer von mehreren Minuten. Auch über die sehr gute Platzierung bei Google und anderen Suchmaschinen habe ich mich gefreut, obwohl ich dafür nie Geld investiert hatte und alles für mich Neuland war, als ich die Seite konzipiert hatte.  Am Meisten aber habe ich mich über die vielen positiven Zuschriften und Kommentare bei Facebook und Twitter oder per Email gefreut.

Vision eines neuen Freizeit-Portals

Meine Vision war, rund um Rhein-Main plus ca. 100 KM möglichst alle sehenswerte Ausflugsziele zu listen und sehr strukturiert zu veröffentlichen. Und damit in einem Tagesausflug bequem auch mit öffentlichem Nahverkehr zu erreichen. 15 Millionen Menschen leben in der Großregion Rhein-Main und viele scheren sich nicht um Fluss- oder Bundeslandgrenzen. Zumal die ganze Region sich durch viele Gemeinsamkeiten auszeichnet, sowohl von der historischen Geschichte, der Kultur und Essgewohnheiten bis hin zum Dialekt. Handkäs´ versteht hier jeder. Auch wenn ich ihn persönlich nicht so mag. Ca. 30 verschiedene Such- und Auswahlkriterien sollten helfen, das geeignete Ausflugsziel schnell zu finden und dann natürlich auch persönlich zu entdecken. Sei es Drinnen oder Draußen, Natur, Kultur oder Freizeit-Angebote, Kinder-Tauglich oder Barrierefrei und vielem mehr. 

Finanzieren wollte ich die Seite mit Werbung, wobei ein Großteil an humanitäre oder auch kulturelle Vereinigungen als Spende fließen sollte.

Die Umsetzung

Alles hat funktioniert und heute listet FREZETTI über 3.000 Ausflugsziele mit Adresse, Text, Verlinkungen und Tausenden von Bildern in der Datenbank. Viele haben mich unterstützt.

Allerdings muss ich auch sagen und schreiben, dass diejenigen Regionen, die am meisten über mangelnde Touristenzahlen klagen, sich oft nicht einmal auf meine Anfragen gemeldet haben. Immerhin biete ich kostenfreie Werbung an. Als ich einmal telefonisch nachfragte, sagte mir eine Dame, dass der Ortsbürgermeister nicht auf so neumodischen Kram wie Email reagieren würde. Okay. Kein Einzelfall. Dafür gab es die Profis, die mich sogar zu Presseveranstaltungen eingeladen haben oder mir Gutscheine zugeschickt haben, die ich allerdings nie eingelöst habe.   

Die Presse (Print-Medien) hat leider nie reagiert. Drittklassige pleitegehende Pommes-Frites-Buden und schlechte Nachrichten scheinen mehr zu interessieren, als ein neues Portal für tolle Ausflugsziele eines alten Aussteigers. Touristen-Organisationen mit teilweise riesigen Budgets werfen lieber das Geld unter Leute, als gezielt und kundenorientiert zu werben. So scheint es mir. Bei manchen Anbietern, die auch auf Social Media vertreten sind, war ich oft entsetzt. Hauptsache Aufmerksamkeit, scheint es mir oft und vieles ist einfach Fake oder gezielt von falschen oder künstlichen Accounts gesetzt oder kommentiert, wie ich gelernt habe. Lernkurve.

Nun. Alles ist umgesetzt, bis auf die Werbung und Spenden. Als guter Kaufmann habe ich gelernt, dass man auf ein lahmes Pferd nicht setzen und kein gutes Geld schlechtem hinterherwerfen sollte. Der Auslöser für den Ausstieg kam Ende 2019. Als ich eine Seite für Regionale Produkte geschrieben habe, die bereits nach einer Woche auf Platz 3 bei Google stand. Es sollte eine Plattform werden, um Hofläden und regionale Anbieter zu bündeln und Werbung zu ermöglichen, deren Adressen im Netz nicht leicht zu finden sind. Leider hat niemand auf meine Nachfrage geantwortet und die Preise waren extrem moderat (unter 10,-- Euro/Monat), die weitgehend gespendet werden sollten. Es sind oft die Anbieter, die jetzt während der Corona-Krise am lautesten jammern. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.  Aber zum Glück hilft ja der Staat, mir natürlich nicht.

Erfahrungen als Selbständiger und manche Rückschläge

Ein Bekannter sagte mir, nachdem ich ausgestiegen war: „Geh´ zum Arbeitsamt, melde dich eine Minute arbeitslos und Du erhältst 20.000 Euro Starthilfe“. Gesagt, getan. Leider hatte das Arbeitsamt zwei Ämter. Als ich mich für einen Tag arbeitslos gemeldet habe, hat mir das eine Amt des Arbeitsamtes ein Jahr Höchstsatz bewilligt. Da ich nur eine Unterstützung als Selbständiger beantragt hatte, entschuldigte man sich für den Fehler und verwies mich an das zweite Amt, welches den Betrag umgehend korrigierte und auf ein halbes Jahr kürzte mit der Vorgabe, mich niemals wieder arbeitslos melden zu dürfen. Es wäre also besser gewesen, arbeitslos zu sein. Auf Antwort auf meine höflich formulierte Anfrage, wie dies denn sein könne, warte ich übrigens seit Jahren. Das war eine erste Erfahrung, was mich so erwarten könnte.

Natürlich gab es viele, viele weitere Rückschläge. Das Finanzamt drohte mit Prüfung und wollte wegen fehlender Gewinnerzielungsabsicht einen Beleg von 17,50 Euro nachgewiesen haben. Dass ich 30 Jahre lang viel Geld überwiesen habe, spielte keine Rolle. Mein Arbeitszimmer, welches ich dummerweise als Büro angegeben hatte, wurde als Betriebsvermögen angesetzt. Ich wurde aber darüber nie offiziell informiert und nur zufällig durch einen Nebensatz eines Beamten und auf mehrmalige Anfragen wurden mir die Beträge genannt. Und jetzt wird nochmals versteuert. Abschreibung durfte ich nie absetzen, aber durch die Immobilienpreise haben sich die Werte verdoppelt. Also, wird das Arbeitszimmer jetzt dreifach versteuert (bei Kauf, als Selbständiger durch Preissteigerung, bei Tod). Ja, diese Lernkurve kann schon wehtun.

Campen im Saarland

Bild: FREZETTI unterwegs, am liebsten mit kleinem Auto, Fahrrad und Zelt

Das schönste war die Krankenversicherung. Da ich eine Photovoltaikanlage besitze und diese jetzt zu einer sog. Haupteinnahmequelle wurde, musste ich diese als Gewerbe anmelden. Das hätte Höchstsatz der Krankenversicherung bedeutet. Ich hätte die Anlage am besten zertrümmern sollen, es wäre finanziell besser gewesen. Zum Glück hatte ein Angestellter der Versicherung ein Einsehen.  

Die DSGVO, sie sog. Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union hat mich viel Kraft und Aufwand gekostet. Alle Regeln wurden überarbeitet, alle Formulare entfernt, obwohl ich gar keinen Einfluss darauf habe und niemals Daten auswerten würde. Nach europäischem Recht bin ich sogar mitverantwortlich für Facebook. Die haben noch niemals auf eine meiner Anfragen geantwortet und zahlen nicht einmal Umsatzsteuer, geschweige denn andere. Und trotzdem quillt seitdem mein Postfach mit Spam-Mails zu und ich werde permanent von unbekannten Telefon-Nummern angerufen, weil ich selbstverständlich im Impressum meinen Klarnamen angebe. Teils rund um die Uhr. Gut gedacht, schlecht gemacht. Das Gesetz.

Das waren nur einige wenige Hinweise, die man mit Ämtern oder Politik erlebt, wenn man sich jenseits der 50 selbständig macht oder auch jünger. Alles Erwähnte ist dokumentiert und nicht erfunden. Vieles erfährt man nicht in den Medien. Ich könnte seitenweise weiterschreiben. Bis hin zu Erfahrungen mit Presse, Anwälten, Programmierern und sog. Beratern … ich lasse es mal besser.

Trotzdem habe ich meinen Schritt niemals bereut. Aber das hat andere Gründe. Übrigens, und das möchte ich ausdrücklich erwähnen:  ich habe meist Zustimmung und Unterstützung erfahren, auch wenn diese aus manch politischen Gründen nicht gewollt oder möglich erschien. Ja, es gab bissige Mitarbeiter/Innen bei Ämtern, aber die Mehrheit hat meine Themen verstanden und auch versucht zu helfen. Dafür einfach mal DANKE.

Positive Rückmeldungen

Über die vielen, ja ausschließlich positiven Rückmeldungen habe ich mich sehr gefreut. Auch die Unterstützung vieler Organisationen und nicht zuletzt natürlich von vielen gelisteten Ausflugszielen, die sich bedankt haben oder mit Bildern der Urheberrechtsfreigabe schnell und unbürokratisch umgegangen sind. Den Anruf des berühmten Monsignore Mayer abends, der die einmaligen Chagall-Fenster nach Mainz und Deutschland holte und das Gespräch mit ihm, werde ich niemals vergessen.

Die schwarzen Schäflein, die sich nicht einmal für kostenlose Werbung oder Verlinkung bedanken, lasse ich jetzt einfach mal unter den Tisch fallen. Es scheint mir eher ein gesellschaftliches Problem zu sein, dass das Wort DANKE heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Auch über Kooperationen und viele, viele neue Kontakte freue ich mich. Mit Bloggern, Verlagen, besonderen Ausflugszielen - manch Gräfin oder Burgherr waren darunter - bis hin zu einer Kooperation mit der Universität Mainz. Eine ganz neue Welt für mich. Das gibt immer Rückenwind.

Neues Konzept ab 2020: Werbung nur gegen Spenden-Nachweis …

Ab 2020 ziehe ich mich etwas zurück. Seitdem ich einen Herzinfarkt Anfang 2018 bekam, sieht die Welt ein wenig anders aus. Natürlich auch wegen der CORONA-Krise. Die Webseite werde ich privat weiterbetreiben, weil es mir einfach Spaß macht, unsere Region immer weiter zu erkunden.

Das heißt, FREZETTI wird absolut werbefrei und das Gewerbe wird demnächst abgemeldet. Wer auf FREZETTI werben möchte, muss mir eine Spende nachweisen. An eine humanitäre Organisation wie zum Beispiel die Kinderkrebsstation in Frankfurt oder Mainz oder die Bärenherzstiftung in Wiesbaden. Natürlich gelten alle Regeln weiter, dass ich keine rassistischen, sexistischen, religiös verletzenden oder sonstigen ekelhaften Themen auf meiner Seite zulasse. Kontaktiert mich einfach. Das letzte Wort behalte ich mir dann vor. Meine Umsetzung ist kostenlos, das finanziere ich wie bisher privat. Werbemöglichkeiten und damit Möglichkeiten für Spenden gibt es aber viele. Und die Reichweite und echte Leserschaft steigt von Jahr zu Jahr. Ohne Tricks.

Schlussbetrachtung: Rhein-Main … eine wunderschöne Region

Jetzt habe ich fast die gesamte Region Rhein-Main mit seinen Ausflugszielen erkundet. Es gibt wunderschöne Orte hier, ob Kultur oder Natur. Mich zieht es jetzt aber wieder in die Ferne. An unbekannte Orte. Wenn der ganze Spuk mit Corona vorbei ist.

Lappland und Norwegen

Als ich einmal weit im Norden auf den Lofoten war und das allerschönste Fischerhaus gebucht hatte, alles ohne Wasser und auf Stegen über dem Meer bei Ebbe und Flut, parkte gegenüber ein alter Franzose mit einem kleinen Kastenwagen: „Darf ich hier parken und übernachten?“ fragte er.  Klar durfte er. Er war über 60, ich damals unter 40. Damals war ich eingespannt  in einem 15 Stunden-Job und ich sehe mich noch heute sehnsüchtig aus dem Fenster schauen und zuschauen, als er sein Tischlein aufbaute, ein Baguette, ein Stück Käse und eine Flasche Wein drauf stellte. Und dann einfach die großartige Natur am Fjord genoss und sich einige Stunden später in seinen kleinen Kastenwagen zurückzog. „Das will ich auch eines Tages machen“, schoss es mir durch den Kopf.

Und ich habe den Traum verwirklichen können und dürfen. Träume zu verwirklichen ist manchmal einfacher, als man denkt. In diesem Sinne …

Euer FREZETTI (Freizeit-Tipps und Ausflugsziele in/rund um Rhein-Main)

Joerg Schwebel

April 2020