Straußwirtschaften rund um Rhein-Main

Westlich und südlich von Rhein-Main erstrecken sich Deutschlands beste Weingegenden. Rheinhessen bei Mainz ist das größte deutsche Weinanbaugebiet und die Pfalz etwas südlicher schließt sich als zweitgrößtes mit jeweils deutlich über 20.000 ha Rebfläche an. Beide zusammen ergeben die unglaubliche Fläche von bald 70.000 Fußballfeldern, nach Bundesliga-Standard ermittelt und alles mit köstlichen Reben vollgepflanzt.

Strausswirtschaften im Naheland

Etwas westlich und deutlich kleiner liegen der Rheingau und das Naheland mit jeweils um die 4.000 ha Fläche für den Weinanbau. Weitere bekannte Weinanbaugebiete ist die Ahr nordwestlich, der Mittelrhein im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal und im Süden die Hessische Bergstraße. Alle drei Regionen haben etwa jeweils 500 ha Rebfläche.

Die Regionen sind landschaftlich sehr unterschiedlich geprägt, was sich natürlich auch auf die Bodenbeschaffenheit und damit auf die Qualität des Weines auswirken kann. Hauptsächlich wird Weißwein kultiviert und hier dominiert weit vorne der Riesling. Aber auch manche Rotweine  haben inzwischen eine sehr gute Qualität und werden sogar von Franzosen, Spaniern oder Italienern gelobt, wie mir zumindest meine Besucher gerne immer wieder bestätigt haben. Aber nicht nur die Landschaft ist unterschiedlich, auch die Kultur. Insbesondere der Rheingau und Rheinhessen tauschen viele Nickligkeiten über die jeweilige andere Rheinseite, die „Ebsch Seit“ aus. Dabei ist der Dialekt nicht mal so verschieden.  Aber zum Glück werden die Witze vor allem in den zahlreichen Sitzungen während der berühmten Fastnacht beidseits des Rheins eher humorvoll genommen.  

Alle Gebiete bieten hervorragende und preisgekrönte Weine, eine herrliche Kultur und vor allem tolle Weingüter mit vielen gemütlichen Straußwirtschaften.

Wo´s Sträussje hängt, werd ausgeschenkt

In vielen Weinanbaugebieten steht die Straußwirtschaft für einen Gutsauschank des Winzers mit eigen erzeugtem Wein. Und wenn geöffnet ist, erkennt man das am Strauss oder Zweig, der einfach rausgehängt wird. Naja, bei meinen Rundfahrten in der Region habe ich auch Schilder gesehen …

Was gibt es schöneres, als unter Weinreben in einem schönen, oft herrlich hergerichteten Garten oder in einem alten Gemäuer auf Holzbänken zu sitzen und seinen Schoppen direkt vom Winzer zu genießen. Geselligkeit wird oft groß geschrieben und man kann sich durchaus einfach irgendwo dazusetzen.

Straußwirtschaften gibt es schon seit hunderten von Jahren. Manche sprechen sogar von Anfängen in der Römerzeit, als den Erzeugern ein zeitlich begrenzter Ausschank erlaubt wurde. Andere Quellen gehen auf einen Erlass von „Karl dem Großen“ aus dem Jahre 812 zurück. Sei´s drum. Der Betrieb von reinen Strausswirtschaften sind in Deutschland bzw. der Bundesländer durch Gesetz klar geregelt. Es darf unter anderem nur eine bestimmte Zeit im Jahr geöffnet werden.

Leckeres und regionales Essen zum Wein

In typischen Straußwirtschaften werden dazu auch weintypische Gerichte gereicht. Großes Essen und besondere Gourmetfreuden darf man aber nicht erwarten, weil in Straußwirtschaften wegen der gesetzlichen Regeln kein gewerbsmäßiger Betrieb wie beispielsweise in Restaurants zugelassen wird. Aber wer will das schon auf einem gemütlichen Gutshof, bei dem man oft von der Familie des Winzers oder der Winzerin bedient wird. Ein herzhafter Spundekäs mit Brezeln, ein für manche Gaumen gewöhnungsbedürftiger Handkäs mit Musik oder eine Käseplatte mit Trauben garniert reichen völlig. Oft gibt´s auch einen knusprigen Flammkuchen oder leckeren Zwiebelkuchen. Und WWW steht nicht für Internet oder W-Lan, sondern Weck, Worscht und Woi. Ein ganz typisches Gericht der Gegend.

Hier stelle ich Euch drei besondere Weinanbaugebiete in unmittelbarer Nähe des Rhein-Main-Gebietes vor. Ganz unterschiedlich und jedes Gebiet auf seine Art unglaublich schön und herzlich. Eine Aufzählung der Straußwirtschaften oder Möglichkeiten der Verkostung in einem Gutsauschank  findet ihr dann unter den jeweiligen Artikeln bzw. meinen Tipps für Regionen.  

Rheinhessen: Land der Reben und Rüben

Manche wissen erst einmal gar nicht, wo Rheinhessen genau liegt. Es liegt nicht in Hessen. Sondern in Rheinland-Pfalz und schmiegt sich zwischen Worms, Mainz und Bingen an den Rhein und hat sein östliches Ende in der Nähe von Alzey, welches sich gerne als die heimliche Hauptstadt Rheinhessens nennt. Rheinhessen wurde vor 200 Jahren durch ein Dekret des „Wiener Kongressses“ 1815 als Name ins Leben gerufen, als die Region teils noch Französisch war und feierte 2016 sein 200 jähriges Bestehen. Die Region ist geprägt von leichten Hügeln und als Deutschlands größtes Anbaugebiet natürlich dem Weinbau.  

Trullo in Rheinhessen

Bild: Trollo bei Flonheim in Rheinhessen, Joerg Burmeister

Aber, in der Region Rheinhessen wurde auch deutlich vor ihrer Namenstaufe Geschichte geschrieben. Luther musste hier 1523 in Worms vor dem Reichstag erscheinen und sagte den entscheidenden Satz, der eine neue Kirchenspaltung bis heute bedeutete. Im römischen Mainz wurde im 15. Jahrhundert ein Mann geboren, der hier eine bahnbrechende Erfindung machte, die das Jahrtausend ändern sollte … Johannes Gutenberg und der Buchdruck. Viele weitere ganz besondere Kulturhighlights warten in Rheinhessen auf Besucher. Zur Rheinhessen-Seite und zu Strausswirtschaften …

Der Rheingau: klein, aber großer Touristenmagnet

Der Rheingau ist ein weltbekanntes Weinanbaugebiet und erstreckt sich rechts des Rheins etwa von Hochheim am Main über Wiesbaden bis ins UNESCO-Welterbe „Oberes Mittelrheintal“ nach Lorchhausen. Insbesondere der Riesling findet hier hervorragende Bedingungen für den Anbau, den man dann auch im Glas schmeckt.

Kloster Eberbach Eltville Rheingau

Bild: Kloster Eberbach, Eltville (FREZETTI, Genehmigung durch Kloster Eberbach)

Aber der Rheingau steht auch für berühmte Klöster, wunderschöne Kirchen und zahlreiche Orte am Rhein bis zum Taunus mit idyllischen Plätzen und Fachwerkbauten zum Verweilen. Die Drosselgasse in Rüdesheim am Rhein allein zieht jedes Jahr Millionen von Touristen auch aus Übersee an. Kloster Eberbach bei Eltville wurde in neuerer Zeit berühmt durch Szenen des Films „Der Name der Rose, Umberto Eccos weltberühmter Roman, die hier gedreht wurden und die Säulengänge begeistern einfach.

Die Ortschaften im Rheingau sind nahezu alle sehenswert durch ihre schmucken Fachwerkhäuser und kleinen Gässchen und überall laden Straußwirtschaften, Weingüter oder auch Weinprobierstände direkt am Rhein zum Verweilen ein. Am besten kann man den Rheingau natürlich in einem der zahlreichen Weinstuben oder Straußwirtschaften hautnah erleben. Mehr erfahren über den Rheingau und seinen Strausswirtschaften

Naheland: die Landschaft ist grandios

Die Nahe entspringt im Saarland, schlängelt sich am größten See im Südwesten, dem Bostalsee, vorbei, wird unterirdisch in der Edelsteinmetropole Idar-Oberstein, ganz wild vor Bad Kreuznach und mündet schließlich in Bingen in den Rhein, wo das UNESCO-Welterbe „Oberes Mittelrheintal“ beginnt.

Rotenfels Naheland

Das Weinanbaugebiet Nahe beeindruckt durch eine grandiose Natur in unserer Region. Besonderer Naturhöhepunkt ist sicher der Rotenfels bei Bad Münster am Stein, Deutschlands höchste Steilwand nördlich der Alpen. Aber auch Kultur und Geschichte begeistern viele Touristen. In Bad Kreuznach kann man über die einmaligen Brückenhäuser auf der Nahebrücke staunen und etwas stromaufwärts wartet Idar-Oberstein als Edelsteinzentrum mit seiner berühmten Felsenkirche auf.

Das Naheland insbesondere in der Umgebung von Bad Kreuznach mit seinen ca. 4.000 ha Rebfläche gehört zu den kleineren Weinanbaugebieten in Deutschland. Aber tolle Straußwirtschaften manchmal vor grandioser Natur-Kulisse gibt es auch hier. Und der Wein schmeckt. Zum Naheland und seinen Strausswirtschaften

 

Habt Ihr Lust bekommen auf eine der schönen Regionen? Und vor allem auf Wein und regionale Spezialitäten? Dann besucht mal eine der schönen Gegenden an Rhein, Main und Nahe oder einfach alle.

 

Über FREZETTI

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Text / Bild(er), falls nicht anders erwähnt: FREZETTI